Busfahren

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Kleiner Bus, silbrig in der Sonne glitzernd, mit Ortsschildchen aus Pappe vorn an der überdimensionierten Windschutzscheibe. Kurz die Schriftzeichen überprüft, reingesprungen um noch einen Platz zu ergattern. Nichts mehr hasst sie, als die ganze Busfahrt zu stehen zu müssen. Obwohl der Effekt den „Power-Plates“ gleicht, die sie öfter in der Werbung gesehen hat, aber das Herumgeschüttle ist kaum auszuhalten. Sie sucht sich einen der weich geposterten Sitze am Fenster aus, schmeisst ihren ganzen Kram auf den Boden, die Tasche neben sich platziert, in der Hoffnung, dass sie die Heimatfahrt ohne Sitznachbar antreten kann.

Als wollte sie irgendjemand für diesen unsozialen Gedanken bestrafen, steigen gefühlte hundert Leute in den Bus, die ebenfalls den Gedanken hegen, die Busfahrt nicht stehend zu verbringen.
Sie macht Platz, legt die kühle Tasche über ihre Beine, macht Platz für ihn.

Manche könnten vermuten, es würde eine Liebesromanze, die das Schicksal geplant hat. Nein, nicht ganz. Er, ein Jungspund mit vielleicht 15 Jahren, schwitzt. Ganz unverschämt gesagt, er riecht nach ekelhaften, alten Schweiß. Sie war grade noch in ihre Gedanken versunken, als eine Duftschwade – die übrigens bei Sims2 schon grün aussehen würde! – ihre Nase kreuzt und sie ihren Magen zurückhalten muss, seinen ganzen Inhalt auf ihr auf dem Boden platziertes Zeug zu ergießen.

Angeekelt dreht sie ihren Kopf zum Fenster, versucht nicht zu viel zu Atmen. Es wird unerträglich heiß im Bus, wie immer um diese Jahreszeit. Sie spielt mit dem Gedanken, ihr nach Blümchen duftendes Deo auszupacken und einmal quer durch den Bus zu sprühen. Nachdem sie den Gedanken wegen ungewisser Benimmregelsachlage wieder verwarf, war sie kurz davor, ihn zu bitten, sich wegzusetzen. Oder zu stehen,  der Gestank wurde ja durch die brütende Hitze nicht gerade verringert.

Sie fahren an jeder Haltestelle vorbei, ohne dass er aussteigt, zuhause angekommen, beeilt sie sich aus dem Bus zu kommen. Frischluft, Hitze und wieder einmal das herzliche Gefühl – Es ist Sommer!


Kategorie: Words

von

hi, i'm Rebecca, a twentysomething on the road of life. I work as a kindergartenteacher and love playing around with words and pictures. find me on facebook or pinterest!

4 Kommentare

  1. Raffl sagt

    Aaah, ich dreh durch, mir kommt das alles so verflucht bekannt vor *laugh* Ich muss lachn^^
    Hab mich die ganze Szene durch mich selbst gesehen, habs genossen, gefällt mir ;) Finde vor allem die Überziehung so genial, dass ich schon lächeln muss :D Schreibst wohl aus eigener Erfahrung, hmmm?^^

  2. Raffl sagt

    Jetzt muss ich dich ma fragen:
    Schon den Post aus „Aus dem Leben einer fast 18-Jährigen“ gesehen? xD

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