Alltagsromanze

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Blicke treffen sich. In den Spiegeln über den Obstregalen spiegeln sich unsere Körper, langsam aber sicher kommst du immer näher, langsam und bedächtig musterst du die dunkelrot gefärbten Erdbeeren, dein Blick wandert immer wieder zu den Spiegeln über uns. Errötet sehe ich weg, bin fast beschämt, wie sehr mich dein Blick verfolgt. Deine Blicke, sie legen sich über mich, wie tiefblauer Samt sich um den Körper schlingt. Langsam widme ich mich der richtigen Obstauswahl, während ich gedanklich schon dein blondes Haar fühle, gerade rechtzeitig bemerke ich, dass ich gerade im Begriff war, die Avocados vor mir zu betasten. Ruckartig ziehe ich meine Hand zurück, ein bisschen zu schnell um zu bemerken, dass du gerade in diesem Moment hinter mir stehst. Ein elektrischer Schlag durchfährt mich, du lächelst nur ruhig in mein vor Scham errötetes Gesicht. Ohne noch einmal meinen Blick von den Obstsorten abzuwenden, packe ich alle möglichen Obstsorten in meinen Wagen um dir nicht noch einmal ins Gesicht sehen zu müssen. Unruhig schiebe ich den Einkaufswagen vor mir her, ich schleiche fast wie ein Verbrecher, der unerkannt bleiben will, durch den Supermarkt. Schnell gehe ich alle Punkte meiner Einkaufsliste durch, vermeide alle Regalreihen, bei denen ich dich vermute, nach einigen Reihen bin ich mir fast sicher, dass du den Supermarkt bereits verlassen hast, gedankenverloren stelle ich mich bei der Kasse an und als mein Wageninhalt endlich auf dem schwarzen Förderband liegt, das so beruhigend summt, hebe ich meinen Blick und treffe genau deine graugrünen Augen. Einige Sekunden vergehen. Erst jetzt wendest du dich zur Kassiererin und verschwindest ohne Zurückzublicken aus dem Laden. Ein bisschen wehmütig schiebe auch ich meinen Einkaufswagen hinaus, räume die vielen Obstsorten ohne Acht in meinen Kofferraum und bringe meinen Einkaufswagen zurück. Gerade als ich den Wagen anhängen will, blitzt mir ein Kassenbon entgegen, weiß, schwarz und blau. Ich greife nach dem Bon, sehe Ziffern und bemerke erst einige Sekunden später, dass diese Nummern zusammen eine Telefonnummer ergeben. Verwundert sehe ich mich um, und ich meine, deine blonden Haare aus einem wegfahrenden Auto blitzen zu sehen.

 

inspiriert durch eine Geschichte von einer Freundin (♥)

2 Kommentare

  1. Raffl sagt

    Tja… Das ist schon so eine Sache, wenn man jemanden anstarren will, aber die Scham einem davon abhält :D Aber ist toll verfasst, man konnte sich schön in die Person hineinversetzen^^

    Eine Frage noch…
    Wenn du immer diese Texte schreibst, dann finden sie anv(meist) alltägliche Orte statt und die Zeit passt auch immer aktuell. Kommen dir diese Storys immer beim alltäglichen Tagesablauf in den Sinn? Also während du deine Geschäfte erledigst? Mir kommts nämlich so vor ;)

  2. Ja, ist schon irre blöd! :D Dankeschön. ;)

    Eine Antwort: Tja, mir kommen sie schon im Tagesverlauf, meist beim Busfahren – da hab ich einfach viel zu viel Zeit zum Nachdenken, da fällt mir dann sowas ein. ;) Aber diese Geschichte ist mir nicht selbst passiert, eine Freundin hat nur erzählt, dass sie einen hübschen Mann beim Einkaufen gesehen hat – und dann fällt mir sowas ein. :D

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