Klickst du dich durch die Profile der Massen an jungen, obersaumegageilen Menschen dieser Erde, siehst du ein Adjektiv ganz oft. “Verrückt” und an zweiter Stelle gleich “anders”. Öh, ja. Lässt mich nachdenklich werden, irgendwie.
Jede noch so aufblondierte Göre mit sexy Top von ganz oben fotografiert – dass man super in den Ausschnitt gucken kann – schreibt in ihrer Beschreibung, dass sie anders und verrückt, sexy & süß, Engel & Teufel gleichzeitig ist. Klar doch. Gibt ja irre viele Superheldenweiber auf der Welt, wie ich sehe. Geile Blonde, mit Gefühlen und höllisch heiß im Bett.

Natürlich sind die Superheldenweiber nicht alle blond. Soviel Blondierung haben wir ja nicht auf der Welt. Gibt sie ja auch in jeder anderen Haarfarbe, war nur ein Beispiel. Ich meinte damit eigentlich die, die so “Anti-Mainstream” sind, dass es ja auch schon wieder mainstream ist. Weil ja jeder anti-mainstream ist, trotzdem rennen sie alle wieder hintereinander her. Sie haben bemerkt, dass es cool ist, wenn man so richtig verrückt durch die Gegend rennt, irre peinliche Aktionen in der Öffentlichkeit treibt und sich von nichts und niemanden was sagen zu lassen.

Klar, die gabs vorher auch, nur in weniger großen Massen und da war es noch nicht mainstream. Jeder hat dich angeguckt, wenn du von dir behauptet hast, du wärst verrückt. Da waren schon einige kurz davor, die Klinik zu informieren. Man musste Freunde haben, sonst wärst du untergegangen, weil mit Verrückten will keiner was zu tun haben. Genauso bei der Kleidung. Es gibt so Geschäfte, die’s einfach nur selten gibt – Folge: Keiner trägt das, außer du. Bei uns war das der Forever18. Gibts nicht so oft, schon gar nicht unserer Nähe. Da nun aber ein Shoppingcenter den Laden auch haben will – bäääääm – kann man das ganze nicht mehr anziehen, weils ja jede verrückte Sau auf der Erde hat.

Die kleinen Mädels, die auch schon die Verrücktesten auf der Erde sind und einfach so derbst anders als alle anderen sind, suchen eigentlich noch nach sich selbst während des Erwachsenwerdens und sind doch wieder fast alle gleich. Ärgern Jungs, verlieben sich hoffnungslos und decken sich mit haufenweise Gewand ein, aus dem sie in 3 Monaten eh wieder rausgewachsen sind. Genauso verläuft es mit ihrem “Ich”. Bisschen probieren, bisschen testen, schon mal Tonnen von Schminke raufschmeissen und dann ab mit der Verrücktheit. Nach einiger Zeit wird ihnen das zu bunt, dann werden sie Ladys mit Modegeschmack und wieder einige Zeit später trifft man sie als Punknachmache. Im Grunde alle gleich, was cool ist, wird getan, was nicht cool ist, wird ausgelacht. Da fährt der Zug drüber.

Wenn wir bedenken, daß wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt. – Mark Twain

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