Alle Artikel in: Short Stories

in dieser kategorie sind alle texte von mir untergebracht, ob kurz oder lang, einfach alle wortspielereien

Eislaufen

Der kalte Wind weht ihr um die Nase, Musik schallt in den Raum, während sie nachdenklich in ihre schwarzweißen, wunderschönen Eislaufschuhe steigt. Sie ist allein hier, gerade hat die Eislaufhalle geöffnet, es ist bis auf die Musik still hier. Sie stellt ihre Tasche unter eine Bank und wackelt unsicher in Richtung Eisbahn. Es sind keine Spuren zu sehen, es ist nichts als glattes, feines Eis in ihrem Sichtfeld. Kurz schreckt sie davor zurück, das fast perfekte Eis zu zerstören, ihre Spuren darin zu verewigen. Es ist als würde ihr das Eis leise zuflüstern, als würde das Eis jede perfekte Minute genießen. Nach kurzem Zögern steigt sie sanft, vorsichtig, ja fast zärtlich auf das Eis, so als wolle sie es nicht verletzten. Sie beginnt sich langsam in Bewegung zu setzen, es ist auch als erfahrene Eisläuferin sehr schwierig für sie, sich auf dieser glatten Eisfläche fortzubewegen. Langsam dreht sie ihre Runden, sie sieht nur ihre Spuren, es werden immer mehr, immer verwirrender schlängeln sie sich durch die Eisfläche. Sie fühlt sich frei, sie fühlt sich, als …

Reise mit dem Mond

Langsam fahren wir aus der Nacht der untergehenden Sonne entgegen, es ist ruhig um mich herum, jedes Gesicht ist dem hellen Mond zugewandt, der uns auf dieser Reise begleitet. Er steht so ruhig am düsteren Himmel hinter uns, und doch ist er ständig in Bewegung – in Bewegung mit uns. Autos zischen an uns vorbei, und doch ist es so leise, dass man jedes einzelne Atmen hört, ruhig und beständig. Es scheint, als wären alle zur Ruhe gekommen, als hätte der Anblick des Mondes sie gelähmt, stumm gemacht. Vor uns leuchtet es noch schwach rot hinter der kleinen Hügelkette hervor, ein kleiner Abschiedsgruß der Sonne, immer mehr zieht sie sich vorm Mond zurück, immer mehr Helligkeit verschwindet aus unserer kleinen Welt. Die Blicke wandern wieder zurück zum Mond, der immer noch neben uns her gleitet, als würde er jedem von uns versprochen haben, dass er unseren Weg erhellen wird. Es war, als könnte jeden Moment jemand beginnen, über den Mond zu philosophieren, als würden wir alle von ihm zu der Frage aufgefordert, warum er für …

Sie

Sie hatte Augen,  so ausdrucksstark und man meinte, dass sich Träume darin spiegelten, es war  nicht von Bedeutung, welche Farbe diese Augen hatten. Ich glaube, sie waren blau, irgendwie hellblau, aber doch kräftig. Es waren Augen, denen man nicht ausweichen kann, die einen fesseln, obwohl sie nicht angsteinflößend eisblau waren, sondern eher ein helles Meeresblau, in denen man sanfte Wellen vermutet. Sie saß vor mir, mit dem Kopf zu mir, die Augen blickten träumerisch aus dem Zugfenster, die Landschaft vorbeirauschend. Ihre dunkelblonden Haare waren zu einem leichten Knoten im Nacken zusammengebunden, ihr Gesicht war zart, fast zerbrechlich. Sie war nicht blass, nicht braun, genau mittendrin. Sommersprossen hätten gut zu ihr gepasst, vielleicht wären von der Nähe welche sichtbar gewesen, aber ich konnte sie nicht entdecken. Sie erinnerte an den Moment in „Titanic“, die beiden Liebenden auf dem Schiffsdeck, die berühmten seitlich ausgestreckten Arme, die die absolute Freiheit signalisieren. Ihr Blick ließ mich Geschichten erfinden, über ihre Träume philosophieren, mir ihr Lebensziel vorzustellen. Innerlich suchte ich nach Worten, sie zu beschreiben, mehrmals trafen sich unsere Blicke, …

Busfahren

Kleiner Bus, silbrig in der Sonne glitzernd, mit Ortsschildchen aus Pappe vorn an der überdimensionierten Windschutzscheibe. Kurz die Schriftzeichen überprüft, reingesprungen um noch einen Platz zu ergattern. Nichts mehr hasst sie, als die ganze Busfahrt zu stehen zu müssen. Obwohl der Effekt den „Power-Plates“ gleicht, die sie öfter in der Werbung gesehen hat, aber das Herumgeschüttle ist kaum auszuhalten. Sie sucht sich einen der weich geposterten Sitze am Fenster aus, schmeisst ihren ganzen Kram auf den Boden, die Tasche neben sich platziert, in der Hoffnung, dass sie die Heimatfahrt ohne Sitznachbar antreten kann. Als wollte sie irgendjemand für diesen unsozialen Gedanken bestrafen, steigen gefühlte hundert Leute in den Bus, die ebenfalls den Gedanken hegen, die Busfahrt nicht stehend zu verbringen. Sie macht Platz, legt die kühle Tasche über ihre Beine, macht Platz für ihn. Manche könnten vermuten, es würde eine Liebesromanze, die das Schicksal geplant hat. Nein, nicht ganz. Er, ein Jungspund mit vielleicht 15 Jahren, schwitzt. Ganz unverschämt gesagt, er riecht nach ekelhaften, alten Schweiß. Sie war grade noch in ihre Gedanken versunken, als …

Teadrinking

Die Worte fallen in den Raum, ohne Vorwarnung, ohne kurze Pause-Taste davor, um die Zeit schnell zu stoppen. Hart wie Stein, kalt wie Eis und scharf wie diese Keramikmesser aus den TV-Dauerwerbesendungen. Es war wie im Film, nur dass man diese komische Slow-Motion-Sache im Leben halt nicht hat. Und die passende Hintergrund war in diesem Falle Stille. Endlose, erdrückende Stille. Irgendeine Spannungsmusik, oder diese traurig melancholisch klingende Klaviermusik wäre passend gewesen. Vielleicht. Man sitzt da, kommt sich einsamer vor, als all‘ die alten Leute, die immer FarmVille-Einladungen an wildfremde Menschen versenden, weil sie im Leben wirklich nichts erreicht haben als Level 72 in einem Onlinespiel. Nebenbei gesagt, weiß ich nicht einmal, welches aktuell das höchste Level bei FarmVille wäre. Und dann schwimmen die Gedanken einfach in die weite Welt hinaus, zurück in die Vergangenheit, die ja scheinbar perfekt gewesen wäre, in die Zukunft, die man grenzenlos perfekt erträumt hat und sitzt dort wie ein Häufchen Elend, weil ein Teil des Lebens einfach entschwindet. Nicht gleich, nicht schnell. Langsam, fast schleichend, aber es entschwindet. Es ist, …

Brechende Herzen knacksen nicht.

Still liegt die Nacht über ihrem Körper, ruhend auf dem Gras. Hört sie es wachsen, es ist doch Frühling? Fragen, die keine Antwort erwarten, Träume, die keine Erfüllung vorraussetzen. Hoffnungslose Schwärze in ihrem Gefühl. Sie windet sich auf dem graugrünen Boden, starrt hinauf in die Sternenwelt. Sie wünscht nichts, nichts – außer das Fliegen. In andere Welten, vielleicht in den Himmel, vielleicht unter die Erde, nur weg von hier. Nicht, weil es hier nicht schön wäre, die Aussicht auf die Zukunft nicht rosig wäre oder ihre Vergangenheit erdrückend wäre. Sie hängt sich an schöne Erinnerung, Erlebnisse. Schweigt still, hält aus. Wird es je wieder werden wie sie will? Glück, das einen über Gräben springen lässt, die man sonst nicht mit dem größten Schwung überwinden könnte, Glück, das einen den tiefsten See durchtauchen lässt, obwohl er kalt, dunkel ist und sich viel zu weit ausdehnt. Es ist Gefühl, es will dich zerreissen, dich hüpfen lassen und trotzdem schlägt ihr berstend mit Glück gefülltes Herz lautlos in die Nacht hinein. Für einen kurzen Augenblick ist sie wieder …

Freiheit, wo bist du?

Sitzen, ins Leere starren, man spürt nicht Verzweiflung, nicht Traurigkeit. Vielleicht Leere, aber woher soll man das genau wissen? Träumen hinterherjagen, gedemütigt zurückkriechen ins wahre Leben, wissen, dass man nicht alles im Griff hat. Das Leben packt dich wieder mal am Kragen, schmeisst dich raus in das arschkalte Wetter und lässt dich versauern. Für dein irreales Denken. Was bildest du dir auch ein? Man weiß nicht, wie man es beschreiben soll. Betäubung des Gefühls um nicht durchzudrehen. Harte Musik, die Aggression mit Headbangen vertreiben. Am Morgen mit Kopfweh und nicht bewegbaren Genick aufwachen und den Tag verfluchen. Raus in den Regen und sich durchnässen lassen, vielleicht wird es herausgespült. Kann man ja nie wissen, vielleicht ist es ja so. Mitten in der Jugend gestorben, leben wie ein Robotor für die Welt. Wissen, was man in 40 Jahren machen wird, was dein Lebensinhalt wird. Gefangen im goldenen Käfig des Lebens. Ausbruch gescheitert. Freiheit, wo bist du?