Alle Artikel in: Short Stories

in dieser kategorie sind alle texte von mir untergebracht, ob kurz oder lang, einfach alle wortspielereien

Busfahren

Kleiner Bus, silbrig in der Sonne glitzernd, mit Ortsschildchen aus Pappe vorn an der überdimensionierten Windschutzscheibe. Kurz die Schriftzeichen überprüft, reingesprungen um noch einen Platz zu ergattern. Nichts mehr hasst sie, als die ganze Busfahrt zu stehen zu müssen. Obwohl der Effekt den “Power-Plates” gleicht, die sie öfter in der Werbung gesehen hat, aber das Herumgeschüttle ist kaum auszuhalten. Sie sucht sich einen der weich geposterten Sitze am Fenster aus, schmeisst ihren ganzen Kram auf den Boden, die Tasche neben sich platziert, in der Hoffnung, dass sie die Heimatfahrt ohne Sitznachbar antreten kann. Als wollte sie irgendjemand für diesen unsozialen Gedanken bestrafen, steigen gefühlte hundert Leute in den Bus, die ebenfalls den Gedanken hegen, die Busfahrt nicht stehend zu verbringen. Sie macht Platz, legt die kühle Tasche über ihre Beine, macht Platz für ihn. Manche könnten vermuten, es würde eine Liebesromanze, die das Schicksal geplant hat. Nein, nicht ganz. Er, ein Jungspund mit vielleicht 15 Jahren, schwitzt. Ganz unverschämt gesagt, er riecht nach ekelhaften, alten Schweiß. Sie war grade noch in ihre Gedanken versunken, als …

Teadrinking

Die Worte fallen in den Raum, ohne Vorwarnung, ohne kurze Pause-Taste davor, um die Zeit schnell zu stoppen. Hart wie Stein, kalt wie Eis und scharf wie diese Keramikmesser aus den TV-Dauerwerbesendungen. Es war wie im Film, nur dass man diese komische Slow-Motion-Sache im Leben halt nicht hat. Und die passende Hintergrund war in diesem Falle Stille. Endlose, erdrückende Stille. Irgendeine Spannungsmusik, oder diese traurig melancholisch klingende Klaviermusik wäre passend gewesen. Vielleicht. Man sitzt da, kommt sich einsamer vor, als all’ die alten Leute, die immer FarmVille-Einladungen an wildfremde Menschen versenden, weil sie im Leben wirklich nichts erreicht haben als Level 72 in einem Onlinespiel. Nebenbei gesagt, weiß ich nicht einmal, welches aktuell das höchste Level bei FarmVille wäre. Und dann schwimmen die Gedanken einfach in die weite Welt hinaus, zurück in die Vergangenheit, die ja scheinbar perfekt gewesen wäre, in die Zukunft, die man grenzenlos perfekt erträumt hat und sitzt dort wie ein Häufchen Elend, weil ein Teil des Lebens einfach entschwindet. Nicht gleich, nicht schnell. Langsam, fast schleichend, aber es entschwindet. Es ist, …

Brechende Herzen knacksen nicht.

Still liegt die Nacht über ihrem Körper, ruhend auf dem Gras. Hört sie es wachsen, es ist doch Frühling? Fragen, die keine Antwort erwarten, Träume, die keine Erfüllung vorraussetzen. Hoffnungslose Schwärze in ihrem Gefühl. Sie windet sich auf dem graugrünen Boden, starrt hinauf in die Sternenwelt. Sie wünscht nichts, nichts – außer das Fliegen. In andere Welten, vielleicht in den Himmel, vielleicht unter die Erde, nur weg von hier. Nicht, weil es hier nicht schön wäre, die Aussicht auf die Zukunft nicht rosig wäre oder ihre Vergangenheit erdrückend wäre. Sie hängt sich an schöne Erinnerung, Erlebnisse. Schweigt still, hält aus. Wird es je wieder werden wie sie will? Glück, das einen über Gräben springen lässt, die man sonst nicht mit dem größten Schwung überwinden könnte, Glück, das einen den tiefsten See durchtauchen lässt, obwohl er kalt, dunkel ist und sich viel zu weit ausdehnt. Es ist Gefühl, es will dich zerreissen, dich hüpfen lassen und trotzdem schlägt ihr berstend mit Glück gefülltes Herz lautlos in die Nacht hinein. Für einen kurzen Augenblick ist sie wieder …

Freiheit, wo bist du?

Sitzen, ins Leere starren, man spürt nicht Verzweiflung, nicht Traurigkeit. Vielleicht Leere, aber woher soll man das genau wissen? Träumen hinterherjagen, gedemütigt zurückkriechen ins wahre Leben, wissen, dass man nicht alles im Griff hat. Das Leben packt dich wieder mal am Kragen, schmeisst dich raus in das arschkalte Wetter und lässt dich versauern. Für dein irreales Denken. Was bildest du dir auch ein? Man weiß nicht, wie man es beschreiben soll. Betäubung des Gefühls um nicht durchzudrehen. Harte Musik, die Aggression mit Headbangen vertreiben. Am Morgen mit Kopfweh und nicht bewegbaren Genick aufwachen und den Tag verfluchen. Raus in den Regen und sich durchnässen lassen, vielleicht wird es herausgespült. Kann man ja nie wissen, vielleicht ist es ja so. Mitten in der Jugend gestorben, leben wie ein Robotor für die Welt. Wissen, was man in 40 Jahren machen wird, was dein Lebensinhalt wird. Gefangen im goldenen Käfig des Lebens. Ausbruch gescheitert. Freiheit, wo bist du?

Der Vorleser – Buchmeinung

Dieses Buch war unsere letzte Deutschlektüre. Oder ist es immer noch, jedenfalls – ich bin fertig damit. Normalerweise kann ich genau sagen, hey, das Buch war super. Manchmal auch andersrum (zum Beispiel “Die Liebhaberinnen” von Elfriede Jelinek, schreckliches Buch!). Doch bei diesem Buch fällt mir die Beurteilung echt schwer, es war nicht allzu schwer zu lesen, jedoch ist der Schreibstil des Autors echt gewöhnungsbedürftig. Er wirft Fragen auf, die er nie beantwortet, schreibt ausführlich von Gefühlen, obwohl ich mir nicht sicher bin, dass sich die Hauptperson überhaupt sicher war, was sie fühlt. Der Inhalt des Buches ist etwas wirr, handelt von einer Liebe zwischen einem Jungen und einer älteren Frau. Nicht irgendwie über 50, sondern um die 30. Bisschen älter vielleicht. Die Frau war Aufseherin in einem KZ und wird dafür verurteilt. Ab der Hälfte des Buches geht es nur noch um den Prozess, ganz zum Schluss noch etwas über sein Leben und ihre Freilassung. Das Ende ist allerdings etwas unerwartet, aber nicht schlecht. Ich las das Buch in einem Rutsch, will mir jetzt den …

Wandel der Zeit

Zeit ist ja eines der Dinge, über die ich gerne schreiben würde. Ich würde ja gern sagen können, hey – ich hab genug Zeit um einmal Dinge zu machen, die mir auch Spaß machen. Ich würde gerne sagen können, ich hätte meine Zeit für mich genutzt, Spaß gehabt und mein Jugendleben gelebt. Ich würde gerne sagen können, ich könnte irre gut Gitarre spielen, schreibe an meinem fünften Roman, weil die anderen schon alle fertig sind. Ich würde gerne sagen können, mein Portfolio ist voll mit Bildern, die ich geschossen habe, weil ich Zeit hatte meine Kreativität zu sammeln. Und manchmal, dann und wann, möchte ich sagen können: Das war jetzt eine Stunde nur für mich, meine Wünsche, meine Laune und meine Musik. Klar, ich komme abends nach Hause, esse schnell irgendwelchen ungesunden Kram und verschwinde erstmal in die Waagrechte.  Mein kleiner Luxus ist das. Schlafen. Schlafen. Ruhe. Schlafen. Grey’s Anatomy. Schlafen. Cookies. Schuldinge. Musik. Erschöpfung. Schlafen. Schlafen. Schlafen. Und am Ende des Tages ist mein letzter Gedanke: Heute hast du wieder nichts gemacht. Keine Fotos, …

untitled story #1

Es ist so leise hier, sie sieht durch das dunkelrot gefärbte Weinglas hinaus in die Ferne. Seltsam, würde man denken, wenn man sie da so sitzen sehen würde. Die Jahreszeit ist undefinierbar, leicht schneien die Schneeflöckchen vom Himmel und trotz allem glaubt man ein laues Lüftchen um die entblößten Unterarme streifen zu spüren. Sie sitzt einfach nur da, auf dem alten Gartentisch, der jederzeit zu zusammenbrechen scheint. Die morschige Veranda ist vollkommen von Efeu überwachsen, der im Winter nur teilweise von Schnee bedeckt wird und im Frühjahr sofort wie die dunkelgrüne Farbe des Efeus hat. Unsterblich. Als sie morgens aufwacht, brummt ihr der Kopf. Zuviel Rotwein gestern, denkt sie angestrengt, sucht ihre Klamotten zusammen, bindet die Haare zu einem strengen Dutt und verschwindet im Badezimmer. Sie funktioniert wie eine Maschine, jeden Morgen dasselbe Szenario, jeden Morgen die gleichen Gedanken. Ohne Frühstück verlässt sie das Haus, läuft elfengleich den Weg entlang, raus aus ihrem tristen Zuhause. Der Weg zu ihrer Arbeitsstelle ist nicht weit, fünf Minuten im tiefsten Winter. Das geheimnisvolle Geschäft liegt fast in ihrer …

Weil die Zeit schon wieder davonrennt…

Nach einem Tag vollgespickt mit Ärger und sonstigen sinnlosen, gedankenvermüllenden Dingen bin ich froh, wieder einmal zuhause sein, Tee zu trinken und die Tage bis zu den Ferien zählen. 10 sind es noch. Z-E-H-N. Eigentlich müsste ich einen Tobsuchtsanfall bekommen, schreiend durchs Zimmer rennen und einfach verzweifeln. Warum? Es sind noch 10 Tage bis zum großen Tag, dem Tag der Geschenke. Und fertig bin ich eben einfach noch lange nicht, wenn ich überhaupt einmal fertig werde. Doch, mir macht es nichts mehr. Was solls, den Stress einfach abschütteln, die Tests in der Schule einfach vergessen und die Zeit anhalten. Fantasiereisen in eine andere Welt, in der es zwar Schnee gibt, aber man nie frieren muss. Wo die Flocken einfach auf den Boden gleiten, so sanft, wie  die Daunenfedern von meinem Polster es tun würden. Wo es keinen eisigen Wind gibt, der einen dieses Winterwetter hassen lässt. Wo die Lichter ewig brennen würden, riesige weihnachtlich anmutende Kerzen an jeder Straßenecke ihr Licht aussenden würden – da möchte ich sein. Riesige Tannen rundherum, ein einsames Waldhaus – …

Der Duft von Schnee

Morgens, der kalte Wind bläst die Haare aus dem Gesicht, die Wiese leicht angezuckert. Gerade so, dass man die weißen Flecken schon sehen kann, noch so wenig, dass sich die grünen Blätter gegen den Schnee wehren. Vielleicht wollen sie noch nicht weg, noch ein bisschen Herbstsonne verspüren, bevor sie entgültig verrotten. Ich gehe entlang der Straße, es ist höllisch kalt. Durch die Löcher in den Handschuhen beisst die Kälte, die Jacke ist nicht windfest genug, die Schneeflocken tänzeln vor mir durch die Lüfte. Es scheint, als würden sie sich freuen, endlich aus ihrem Sommerschlaf erwachen zu dürfen. Doch die Freude währt nicht lang, am Boden angekommen, sterben sie auf dem grünen Grund und vergraben sich selbst in der Erde. Die ersten Schneeflocken haben es nicht leicht. Die meisten verenden auf  dem noch viel zu warmen Boden, manche dürfen einige Zeit auf Autos mitreisen, bis sie sich nicht mehr festhalten können und weggeschleudert werden. Tagsüber scheint die Sonne, wärmt die kalte Welt, so gut, wie sie eben noch kann. Ich danke ihr gedanklich dafür, ich kann …

Warum ich Hippie gewesen wäre

Freie Liebe und so, träumen unterm Sternenhimmel, sparen für’s genialste Festival ever. Musik, Freiheit und Sex. Jeden Tag, kämpfen für Frieden und gegen die strengen Eltern. Unser Auto mit Blümchen besprayen und damit irgendwo in den Wald fahren. Fliegen wie ein Vogel, die Welt unter uns. Die Haare naturgewellt, nur mit einem bunten Band verziert. Natürlichkeit in allen Ebenen. Unrasiert, glaub’ ich. Ich schweife ab, weg von der bunten Welt der Hippies in den Hintergrund. Ganz ohne Probleme war diese Zeit doch auch nicht. Was haben die leicht bekleideten Mädchen wohl gedacht, wenn ihre Tage ausgeblieben sind. “Yeah, 9 Monate Sex und ich kann zumindest nicht mehr schwanger werden!” – werden sie wohl nicht gedacht haben. Was wenn sie sich ernsthaft verliebt haben, so richtig mit allem drum und dran? Wenn Sex unterm Sternenhimmel ihnen auf einmal nicht mehr gereicht hat? Wenn die kleinen Hippiemädchen traurig in ihrem Zimmer bei den verhassten Eltern (die sie fast rausgeschmissen haben, weil sie einen Mann nach dem anderen nachhause gebracht hatten) sitzen und sich verzweifelt den Vater des …